Lightroom - Bearbeite mit mir ein Bild Schritt fĂŒr Schritt

Am Beispiel dieser Aufnahme eines Hausrotschwanzes (Phoenicurus ochruros) möchte ich die einzelnen Bearbeitungsschritte in Lightroom Schritt fĂŒr Schritt erlĂ€utern.

RAW-File

Obwohl der Hausrotschwanz im Bild nur einen kleinen Bereich einnimmt, bietet das RAW-File eine solide Ausgangsbasis. Die Belichtungszeit konnte fĂŒr einen ruhig sitzenden Vogel ausreichend kurz gewĂ€hlt werden, wĂ€hrend gleichzeitig eine niedrige ISO beibehalten wurde, was sich positiv auf die BildqualitĂ€t auswirkt.

Beschneiden

Das Bild wurde im SeitenverhĂ€ltnis 5:4 beschnitten, wobei der Vogel bewusst im rechten Bildbereich positioniert wurde. Dadurch entsteht in Blickrichtung ausreichend Raum, was die Bildwirkung unterstĂŒtzt und dem Motiv mehr PrĂ€senz verleiht. Das gewĂ€hlte Format eignet sich zudem optimal fĂŒr eine Ă€sthetische PrĂ€sentation auf Instagram.

Globale Anpassungen

Aufgrund der leichten Unterbelichtung wurde die Belichtung moderat angehoben. Der Kontrast wurde gezielt ĂŒber die Weiß- und Schwarzregler verstĂ€rkt, da diese Methode in der Regel zu einer natĂŒrlicheren Tonwertverteilung fĂŒhrt als eine reine Anpassung des Kontrastreglers. Um ein Ausbrennen der hellsten Bildbereiche zu vermeiden, wurden die Lichter deutlich reduziert.

ZusĂ€tzlich wurde das Bild dezent geschĂ€rft und entrauscht. Beim SchĂ€rfen empfiehlt es sich, den Radius unter 1 zu halten, um ein möglichst natĂŒrliches Ergebnis zu erzielen. Störende Elemente wie einzelne grĂŒne GrĂ€ser wurden mithilfe des Entfernen-Werkzeugs entfernt, um die Bildwirkung zu beruhigen und den Fokus klar auf das Hauptmotiv zu lenken.

Maske Motiv Vorderseite

Im nĂ€chsten Schritt wird gezielt eine klare Lichtrichtung im Bild herausgearbeitet. Dazu wird der gesamte Vogel mithilfe einer Objektmaske selektiert. Im MaskenmenĂŒ kann anschließend durch GedrĂŒckthalten der Option-Taste (Mac) eine Schnittmenge erstellt werden. Diese wird mit einer linearen Maske kombiniert, die von rechts nach links verlĂ€uft. Auf diese Weise wird gezielt der vordere Bereich des Vogels maskiert. Anschließend kann die Belichtung in diesem Bereich leicht angehoben und der Kontrast ĂŒber die Weiß- und Schwarzregler dezent verstĂ€rkt werden.

Maske Motiv RĂŒckseite

FĂŒr die RĂŒckseite des Vogels wird analog vorgegangen. Erneut wird eine Schnittmenge erstellt, diesmal jedoch mit einer linearen Maske, die von links nach rechts verlĂ€uft. Dadurch wird der hintere Bereich des Vogels selektiv bearbeitet. Hier wird die Belichtung leicht angepasst, um eine ausgewogene Abstufung zwischen Vorder- und RĂŒckseite zu erzielen. Der Hausrotschwanz wirkt dadurch insgesamt plastischer und erhĂ€lt mehr rĂ€umliche Tiefe.

Lichteinfall betonen

Um die gewĂŒnschte Lichtrichtung im Bild zusĂ€tzlich zu verstĂ€rken, wird eine radiale Maske am rechten Bildrand erstellt, die sanft in die Bildmitte ĂŒbergeht. Damit der Vogel von dieser Anpassung unberĂŒhrt bleibt, wird die Maske ĂŒber die Funktion „Subtrahieren“ mit einer Objektmaske des Vogels kombiniert. Im Anschluss wird die Belichtung im Hintergrund leicht erhöht, wĂ€hrend Lichter und Weiß reduziert werden, um ein Ausbrennen zu vermeiden. ZusĂ€tzlich wird die Farbtemperatur erhöht, wodurch ein wĂ€rmerer und natĂŒrlicher wirkender Lichteinfall entsteht.

Abdunkeln Vordergrund

Um den Blick des Betrachters gezielt auf das Hauptmotiv zu lenken, wird der Vordergrund mittels einer linearen Maske, die vom unteren Bildrand ins Bild hinein verlĂ€uft, abgedunkelt. Dabei werden Belichtung, Weiß- und Schwarzwerte sowie die Lichter angepasst. Zur weiteren VerstĂ€rkung dieses Effekts wird zusĂ€tzlich die SĂ€ttigung im Vordergrund reduziert. Dadurch tritt der Vogel noch stĂ€rker hervor und die Bildwirkung wird insgesamt ruhiger und fokussierter.

Betonung Auge

In der Wildtierfotografie kommt dem Auge des Tieres eine zentrale Bedeutung zu. Es sollte in der Regel den schĂ€rfsten Punkt im Bild darstellen und die Aufmerksamkeit des Betrachters gezielt auf sich ziehen. Zur Betonung wird mithilfe einer Pinselmaske gezielt die Lichtreflexion im Auge (Catchlight) selektiert. Durch eine dezente Erhöhung der Belichtung wird dieser Bereich hervorgehoben, wodurch das Auge lebendiger wirkt und stĂ€rker in den Fokus rĂŒckt.

Vorher/Nachher

Abschließend wurde das unbearbeitete Bild dem final ausgearbeiteten Ergebnis gegenĂŒbergestellt. Dieser Vergleich verdeutlicht eindrĂŒcklich, welches Potenzial selbst in zunĂ€chst flach wirkenden Aufnahmen steckt und wie stark sich die Bildwirkung durch gezielte, zurĂŒckhaltende Bearbeitung optimieren lĂ€sst.

Ich hoffe, dieser Schritt-fĂŒr-Schritt-Workflow konnte hilfreiche Einblicke sowie praktische AnsĂ€tze fĂŒr die eigene Bildbearbeitung vermitteln. Viel Freude beim Anwenden und Weiterentwickeln der Techniken in deinen eigenen Projekten. 📾

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