Rehkitze - eine wunderbare Begegnung
Diese Rehkitze durfte ich diese Woche im Wald nahe Oberwil beobachten. Eigentlich hatte ich nicht mit einer solchen Begegnung gerechnet, da ich erst relativ spät am Morgen unterwegs war. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut. Die beiden Rehkitze waren zusammen mit ihrer Mutter, der Rehgeiss, nur wenige Meter neben dem Weg unterwegs.
Da ich selbst einen Hund besitze, bin ich für Themen wie die Leinenpflicht sensibilisiert und versuche stets, grösstmögliche Rücksicht auf Wildtiere zu nehmen. Diese Begegnung hat mir jedoch nochmals deutlich vor Augen geführt, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit der Natur ist. Gerade in dieser sensiblen Zeit des Jahres sind viele Wildtiere mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt und auf unsere Rücksichtnahme angewiesen.
Das Reh ist das häufigste wildlebende Huftier der Schweiz und gehört zur Familie der Hirsche. Es kommt in fast allen Regionen des Landes vor, vom Mittelland über die Voralpen bis in höhere Berglagen. Rehe bevorzugen abwechslungsreiche Landschaften mit Wäldern, Hecken, Wiesen und Feldern. Da sie sehr anpassungsfähig sind, leben sie oft auch in der Nähe von Dörfern und Städten.
Im Frühling beginnt für die Rehe eine besonders wichtige Zeit. Nach einer Tragzeit von etwa zehn Monaten bringt die Rehgeiss zwischen Mai und Juli ihre Jungen, die sogenannten Kitze, zur Welt. Meist werden ein bis zwei Kitze geboren, manchmal auch drei. Die Jungtiere wiegen bei der Geburt nur wenige Kilogramm und sind zunächst noch sehr hilflos. Ihr braunes Fell mit den weissen Flecken dient als perfekte Tarnung im hohen Gras oder im Unterholz.
In den ersten Lebenswochen verbringen die Kitze viel Zeit allein. Sie besitzen einen natürlichen Drückinstinkt: Bei Gefahr laufen sie nicht weg, sondern drücken sich regungslos auf den Boden. Dadurch werden sie von Feinden kaum entdeckt. Die Mutter besucht ihre Jungen mehrmals täglich zum Säugen und hält sich ansonsten in einiger Entfernung auf. So verhindert sie, dass Raubtiere oder andere Gefahren auf die Kitze aufmerksam werden.
Die Rehkitze, die ich beobachten durfte, dürften bereits etwa vier Wochen oder älter gewesen sein, da sie schon gemeinsam mit ihrer Mutter unterwegs waren. Jüngere Kitze bleiben meist gut versteckt im hohen Gras oder im Unterholz zurück, während die Geiss in der Umgebung nach Nahrung sucht.
Während der Setzzeit ist besondere Vorsicht geboten. Viele Menschen entdecken beim Spaziergang ein scheinbar verlassenes Kitz und möchten helfen. In den meisten Fällen ist dies jedoch nicht nötig, da die Mutter in der Nähe ist und zurückkehren wird. Deshalb sollten Kitze niemals angefasst oder mitgenommen werden.
Rehe ernähren sich hauptsächlich von Kräutern, Blättern, Knospen, Gräsern und jungen Trieben. Sie sind Wiederkäuer und benötigen hochwertige Nahrung, um genügend Energie zu erhalten. Besonders aktiv sind sie in den frühen Morgenstunden sowie in der Dämmerung am Abend. Tagsüber ruhen sie oft an geschützten Orten im Wald oder in dichtem Bewuchs.
Im Sommer wachsen die Kitze schnell heran und lernen, ihrer Mutter zu folgen. Nach einigen Monaten verlieren sie ihre charakteristischen weissen Flecken. Bis zum Herbst sind sie bereits deutlich selbstständiger, bleiben aber meist noch einige Zeit bei der Mutter. Junge männliche Rehe werden später zu Rehböcken, während die weiblichen Tiere als Rehgeissen bezeichnet werden. Rehe spielen eine wichtige Rolle im Schweizer Ökosystem. Sie beeinflussen durch ihre Nahrungsauswahl das Wachstum von Pflanzen und dienen verschiedenen Raubtieren als Beute. Gleichzeitig stehen sie vor Herausforderungen wie dem Verlust von Lebensräumen, dem Strassenverkehr und Störungen durch Freizeitaktivitäten. Deshalb ist ein respektvoller Umgang mit der Natur besonders wichtig. Wer sich rücksichtsvoll verhält, trägt dazu bei, dass Rehe und ihre Kitze auch in Zukunft einen festen Platz in der Schweizer Landschaft haben.